Weltumseglung ausgebremst

Die Zeit vergeht wie im Flug und seit unserem Landausflug aufs mexikanische Festland sind schon wieder drei Wochen vergangen, in denen wir kein Lebenszeichen von uns gegeben haben. Der Grund: es ist nicht viel passiert, außer Wartungsstress mit einem verstopften WC-Abwasserrohr und wer will das schon hören. Hier doch noch in Kurzform: Das Rohr hat sich komplett mit Kalk zugesetzt und wir konnten es nicht herausziehen. Großes Drama, bei dem fast alle Versuche versagt haben und wir am Ende aufgegeben haben, mit der Folge, dass wir bis zum nächsten „Haul Out“ nur mit einem WC auskommen müssen.

.. Fregattvögel schlafen sogar in der Luft, 6 Minuten lang!
Unser Kumpel von Punta Sur sitzt auch ganz still!

Doch für uns war die Zeit des Stillstands dennoch sehr wichtig, weil wir uns zu einer Entscheidung durchringen konnten! Wir werden zurückfahren, nach Europa! Seitdem Corona alle unsere Pläne auf den Kopf gestellt, fühlen wir uns zu sehr ausgebremst in unserem Tatendrang. Gerade mal vier Inseln (Martinique, Bonaire, Kuba und Isla Mujeres) haben wir in einem ganzen Jahr Karibik kennen gelernt, mit Aufenthaltsdauern von zwei bis fünf Monaten.

EIN GANZES JAHR KARIBIK MIT VIER INSELN, WENN MAN MAL VON DEN WENIGEN TAGEN AUF DER ANKUNFTSINSEL ANTIGUA ABSIEHT!

Dabei hätten uns unter normalen Bedingungen gut und gerne auch vierzig sein können. Kein Problem, wenn man an die ganzen Grenadinen-Inseln oder die Jungfern-Inseln denkt. Kurz, das sorglose Inselhüpfen ohne aufwendige Einklarierungs-Prozeduren konnte nicht stattfinden. Und die Perspektiven sind keinen Deut besser geworden. Deswegen brechen wir – nach langen Überlegungen – unsere Weltumsegelung ab!

Hier kreuzen wir vor Cancun auf …, mit Maik von SY Seefalke

Genau zum jetzigen Zeitpunkt wollten wir eigentlich vor Panama aufkreuzen, um dann den Panama-Kanal zu durchqueren. Doch die Situation im Pazifik ist ebenfalls alles andere als klar und alle Segler, die dort hinwollen, sind in Wartestellung. Jedenfalls wollen wir auch in der Hinsicht kein weiteres Warte-Jahr in Ungewissheit verbringen. Außerdem wollen wir in der Karibik keinen weiteren Sommer mit großer Hitze, Wirbelsturm-Saison und Wahnsinns-Versicherungsprämien verbringen!

… bloß keine weitere Wirbelsturm-Saison…!

Für uns genug Gründe, der Karibik in diesen schwierigen Zeiten den Rücken zuzukehren. Wir wollen endlich mal wieder segeln und einen Archipel von Inseln zur Verfügung haben, ohne aufwendige und kostenintensive Einreiseprozeduren. Dazu sind die Azoren und die Kanaren bestens geeignet.

In den letzten Wochen haben noch mal einen Ausflug nach Cancun gemacht, diesmal sogar mit dem Segelboot, aber nicht mit unserem eigenen, sondern als Mitsegler mit einem Freund!

Maik in Action: Als „Netcontroller“ vom Isla-Mujeres-Cruisers-Net

Und auf Isla Mujeres gab es Zeiten – ähnlich wie seinerzeit in Martinique , in denen wir – mangels echten Alternativen – täglich den gleichen Spaziergang gemacht haben – von Wanderungen kann auf der winzigen Insel keine Rede sein. Außerdem haben wir unsere Corona bedingte „Begegnungsscheu“ ein wenig überwunden und uns etwas mehr in der Segler-Community eingebracht. Die internationale Segler-Nachbarschaft in unserer Marina hat ebenfalls sehr zum Wohlfühl-Faktor beigetragen. Doch bald wird es hier wesentlich ruhiger zugehen, denn einige Yachten sind schon abgereist und andere werden bald folgen, so auch wir. 

Während fast alle anderen auf Südkurs gehen, nach Honduras oder Guatemala, gehen wir auf Kurs Nordost, durch die Straße von Yucatan in den Golfstrom hinein Richtung Bahamas. Erstes Ziel sind die Bermuda-Inseln, genau 1500 Seemeilen entfernt und ein paar Wochen später soll der nächste Schritt folgen, nach Horta auf den Azoren, nochmal knapp 2000 Seemeilen weiter. Anfang Juni hoffen wir, dort einzutreffen.

Geplanter Kurs zu den Bermudas
„Seefalke“ lässt Isla Isla Mujeres hinter sich

Wenn das Wetter mitspielt, werfen wir Mitte der Woche die Leinen los und segeln dann nonstop bis zu den Bermudas. Die ganze letzte Woche stand schon sehr unter dem Zeichen der baldigen Abreise, mit jeder Menge Vorbereitungen, vom Reinigen des Unterwasserschiffs über die ganze Bannbreite der technischen Wartung bis hin zur Verproviantierung.

Andreas reinigt das Unterwasserschiff ohne Flasche!
Am Rande „unseres“ Spazierweges

Zwei Rieseneinkäufe haben wir soeben mit dem Taxi zum Schiff befördert. Die Basis-Vorräte sollen auf jeden Fall bis zu den Azoren reichen, also mindestens für sechs Wochen.

Jetzt kurz vor dem Aufbruch löst sich auch langsam schon ein wenig die Spannung, die sich vor jeder Abreise zu einem Langstreckentörn einstellt. Doch jetzt sind wir bereit und freuen uns, dass es bald los geht, nochmal zu neuen Ufern. Schließlich sollen die Bermudas bei Seglern zu den begehrtesten „Trophäen gehören, so ähnlich wie Gibraltar, und die wollen wir uns nicht entgehen lassen…

…. Und wir haben soeben unsere neuestes Video hochgeladen: Erste Erfahrungen auf Kuba, zu Wasser und zu Land!

https://youtu.be/81AmRRuMpqg

Im nächsten Blog – frühestens in zwei Wochen – werdet Ihr dann erfahren, wie alles gelaufen ist..!