Corona auf Martinique

Seit genau zwei Wochen liegen nun schon in der Anse Caritan im Süden Martinique´s vor Anker und haben uns mit den Verhältnissen arrangiert. Der Ankerplatz ist sehr groß, voll, aber dennoch sehr ruhig und gut geschützt. Manchmal ruckt der Wind ein bisschen am Anker, aber meistens wird Annamera nur sanft hin und her geschaukelt.

Anse Caritan vor Sainte Anne

Die Nachbarschiffe liegen im Mittel alle etwa vierzig Meter auseinander, so dass es sicher und angenehm ist. Uns geht es eigentlich ziemlich gut. Wir sind gesund, fit und kommen bestens mit der Zweisamkeit klar, haben ein tolles Schiff und alles, was wir brauchen. Und es gibt im Moment nicht mal eine wesentliche To-Do-Liste, die abzuarbeiten ist. Außerdem tut absolute Entschleunigung auch mal richtig gut. Wenn nicht die Bewegungsfreiheit so eingeschränkt wäre, hätten wir keinen Grund, uns zu beklagen.

… seitlicher Blick auf den Ankerplatz vor Sainte Anne

Das Wetter ist karibisch warm, mit einer stetig frischen Brise aus östlichen Richtungen, die immer für eine zusätzlich Erfrischung sorgt. Die Temperaturen liegen tags zwischen 28 und 30 Grad Celsius und nachts bei ausgesprochen angenehmen 24 Grad, so dass es sich sehr gut schlafen lässt. Es ist immer zu mindestens einem Viertel bewölkt und zwischendurch kommt auch mal ein Regenschauer runter: insgesamt also sehr gut auszuhalten, nicht wie im Mittelmeer, wo der wolkenlose, dauerhaft blaue Himmel und die Hitze auf die Dauer etwas belastend sein können. Durch unsere Beschattungselemente über den Salonfenstern kommen wir prima ohne Sonnensegel aus und trotzdem wird es nicht zu heiß unter Deck. 

Seit einer guten Woche herrscht hier strikte Ausgangssperre, die zu Land, zu Wasser und aus der Luft kontrolliert wird. Einkäufe und andere wichtige Besorgungen sind jedoch zulässig. Dazu braucht man einen Passierschein, auf dem der Grund und die Uhrzeit des Ausgangs vermerkt sind. Einmal haben wir den sogar schon benötigt, als wir unseren Landgang über die erlaubte Stunde ausgedehnt haben. Von zwei Polizisten wurden wir in holprigem Englisch freundlich auf unseren Verstoß aufmerksam gemacht – allerdings auch mit dem Hinweis auf ein mögliches Bußgeld ….

„Strandkontrolle…“

Leider sind ausgerechnete die Strände völlig tabu. Gut dass der Wanderweg oft parallel dazu durchs Unterholz verläuft und wir immer wieder herrliche Ausblicke auf Strand und Meer haben, wo ein Kriegsschiff unübersehbar auf und ab patrouilliert. Fahrten auf dem Wasser sind jetzt auch verboten. 

„Panzerkreuzer“ patrouillieren vor der Küste

Aber Einkäufe sind natürlich zulässig und immer ein perfekter Vorwand für einen Ausgang und ein bisschen Bewegung! Dabei steht uns allerdings nur die Straße  zur Verfügung… In der Nähe liegt der kleine Ort Sainte Anne, wo wir regelmäßig hinlaufen.

Sainte Anne

Dort sieht es wesentlich besser aus als in Fort de France oder Le Marin: viel weniger vernachlässigt. Auf jeden Fall ist es dort schön karibisch bunt. Mehr Farbe geht kaum!

Üppige Natur

Aber bis auf den Supermarkt, die Apotheke und den Tabakladen ist nicht nur alles geschlossen, sondern auch vergittert und verrammelt und sieht dadurch aus wie in einer Geisterstadt. Die wenigen Passanten grüßen sich alle freundlich, gehen sich aber großräumig aus dem Weg. 

… alles dicht!

Unsere erlaubte „Einkaufsschleife“ ist mit maximal zulässiger Verlängerung etwa drei  Kilometer lang, aber besser als gar nichts. Manchmal holen wir nur ein Baguette, Hauptsache, wir haben einen Vorwand, mal wieder raus zu kommen. Beim Einkauf tragen wir grundsätzlich Mundschutz (FFP2) und Handschuhe, die wir für die jährlichen Schleif-Arbeiten am Unterwasser-Schiff an Bord haben.

Damit fühlen wir uns ganz gut geschützt. Etwa die Hälfte aller Kunden macht es ähnlich. Damit es im Laden nicht zu eng wird, werden immer nur maximal 10 Personen eingelassen. Die Kunden warten vor dem Laden in angemessenem Abstand auf ihren Einlass. Der kleine Supermarkt in Sainte Anne ist erstaunlich gut sortiert. Und das Gute: es gibt dort keine leer gekauften Regale, wie wir es beim Discounter erlebt haben.

Die Kassiererin ist durch Folien geschützt

Hier wird nicht gehamstert, denn fast jeder muss seine Einkäufe selbst nach Hause tragen. Unser Beiboot machen wir übrigens nicht am Dinghidock fest, sondern „parken“ es am Strand und schieben es unter die Bäume. Das ist zwar umständlicher, aber viel sicherer, weil wir uns dort kaum anstecken können. 

Unser „Parkplatz“!

Vom Schiff bis zum Ufer sind es etwa 200 Meter, die wir rudernd mit dem Dinghi zurück legen. Bei der Hinfahrt geht es gegen den Wind, dafür können wir uns auf der Rückfahrt fast treiben lassen. Manchmal fahren wir am späten Nachmittag nochmal rüber, um uns die Beine zu vertreten. Viele andere machen es genauso.

Hier sieht es aus wie am Wannsee!

Wir laufen dann in Richtung Süden, einen herrlichen Wanderweg entlang. Allerdings wird  dieser jetzt auch immer häufiger kontrolliert und gestern mussten wir zum ersten Mal umkehren, um nicht Polizisten in die Arme zu laufen: Pech und diesmal ein ganzer Tag ohne Auslauf. Auf der Rückfahrt haben wir Juli und ihren Freund kennen gelernt und erfahren, dass ab 17.00 Uhr striktes Ausgangsverbot herrscht.

18.00 Uhr: Bei der abendlichen Rückfahrt wird es bereits dunkel

Seit unserem letzten Tanken sind schon zwei Wochen vergangen und der Wasservorrat geht zunehmend zur Neige. Deshalb haben wir nach all den Jahren erstmals unseren Watermaker aktiviert, uns anfänglich aber ganz schön dämlich angestellt. Dabei ist die Bedienung eigentlich ziemlich einfach. Erstaunlicherweise ist die gewonnene Wasserqualität vom Geschmack her nicht von gekauftem Trinkwasser zu unterscheiden. Erst bei der Prüfung mit einem Messgerät stellen wir den Unterschied fest. Ausserdem enthält das selbst produzierte Wasser keinerlei Mineralien. Deswegen trinken wir weiterhin gekauftes Mineralwasser…

Ein Hauptproblem auf jedem Schiff ist die Energieerzeugung. Doch mit unserer Solaranlage können wir fast den ganzen Bedarf decken. Aber Brot backen und der Watermaker verbrauchen viel Strom. Dann muss der Generator ran. Doch der hat auf der Atlantik-Überquerung gestreikt und stand in letzter Zeit nicht mehr zur Verfügung. Erst mit Otto´s Hilfe und „Video-Konferenz“ konnten wir ihn wieder in Gang setzen.

Mittlerweile klappt das Brotbacken richtig gut ….

Die Kondensatoren mussten ausgewechselt werden und danach lief er wieder wie am Schnürchen. Jetzt läuft er etwa jeden zweiten Tag eine Stunde und erzeugt die zusätzliche Energie, die wir benötigen.

… und das Ergebnis kann sich sehen lassen!